|
Wer einen Bausparvertrag abschlie§en möchte, hat die Qual der Wahl. Mehr als 30 Bausparkassen bieten derzeit etwa 80 Bauspartarife und Tarifvarianten an. Da ist es schwer, den Überblick zu behalten. Dieser Tarifdschungel ist für den Laien ermüdend. Wer sich zum Beispiel für ein Angebot der Deutschen Bauspar AG interessiert, muss sich durch sage und schreibe 21 Tarife mit Fußnoten und Kleingedrucktem durcharbeiten.
Guter Rat! Wenn Sie vor der Entscheidung stehen, einen Bausparvertrag
abzuschliessen, sollten Sie sich zunächst über Ihre Ziele im Klaren werden.
Wozu soll der Bausparvertrag dienen? Geht es darum, langfristig eine
kalkulierbare und zinsgünstige Baufinanzierung zu sichern, oder suchen Sie
eine Geldanlage, die
sicher ist und trotzdem eine vergleichsweise hohe Rendite abwirft?
Nicht jeder Bausparvertrag passt immer zu Ihren Zukunftsplänen
Langzeittarife Typisch für einen solchen Bausparvertrag sind relativ hohe
Guthabenzinsen (etwa 4%) und vergleichsweise niedrige Monatsraten (0,3%). Um
auf diese Weise 40% der Bausparsumme (das ist eine wichtige
Zuteilungsvoraussetzung für das Darlehen) anzusparen, benötigt man etwa 11
Jahre. Wer sich langfristig so festlegt, sollte auch überzeugt sein, später
tatsächlich bauen zu wollen. Denn nur so kann er die Vorzüge eines
Bausparvertrages wirklich nutzen. Das betrifft zum einen das niedrig
verzinste Bauspardarlehen und zum anderen die Möglichkeit durch
Sondertilgungen die Zinsbelastung senken zu können. Denn das gibt es bei
einem Hypothekendarlehen nicht.
Schnellspartarife Ganz anders sieht es aus, wenn Sie es eilig haben. Wer schnell eine Baufinanzierung benötigt, der sollte auf so genannte Schnellspartarife achten. Vergleichsweise hohe Ansparraten von durchschnittlich 0,7% fuhren dazu, dass Sie bereits nach vier bis fünf Jahren mit einer Zuteilung des Darlehens rechnen können. Dafür ist die monatliche Tilgungsrate mit der dann das Bauspardarlehen zu bedienen ist, mit 1% der Bausparsumme ganz schön hoch. Aber es geht noch schneller: Wer es gar nicht abwarten kann und eine Sofortfinanzierung benötigt, für den wird es allerdings auch teurer. Das Geld, das er benötigt, wird in diesem Fall durch die Bausparkasse oder eine Bank als Zwischen- oder Vorfinanzierung in Form eines Darlehens »vorgeschossen«. Um dieses Darlehen zu tilgen, schliesst er einen Bausparvertrag ab. Nach Zuteilung des Bauspardarlehens wird die Vor- oder Zwischenfinanzierung auf einen Schlag mit dem Geld aus dem Bausparvertrag abgelöst. Bis zu diesem Zeitpunkt, hat der Bauherr allerdings eine Doppelbelastung, d.h. Sparraten für den Bausparvertrag plus Zinsen für die Vorfinanzierung, zu tragen. nt>
Renditesparer Ganz anders ist die Situation für einen Renditesparer, denn der will eigentlich gar nicht bauen. Der Bausparvertrag dient ihm als sichere Geldanlage, die, wenn man die staatlichen Vergünstigungen rund um das Bausparen hinzurechnet, eine beachtliche Rendite abwirft. Beispiel: Ein verheirateter Arbeitnehmer zahlt 7 Jahre lang monatlich 85 Euro auf sein Bausparkonto bei der Quelle-Bausparkasse (Tarif Q4). Hinzu kommen jeden Monat vermögenswirksame Leistungen in Höhe von 40 Euro. Das Guthaben wird mit 2,5% verzinst. Doch da er gar nicht bauen will und darum kein Darlehen in Anspruch nimmt, kassiert er noch einmal 2,5% Bonuszinsen. Insgesamt beträgt die Guthabenverzinsung damit 5%. Zusätzlich zu den Zinsen erhält er und seine Frau jedes Jahr die Wohnungsbauprämie in Höhe von 102 Euro. Nach 7 Jahren gibt es darüber hinaus vom Staat die so genannte Arbeitnehmersparzulage von insgesamt 335 Euro. Unter dem Strich macht das eine effektive Verzinsung von 7,16%. nt>
Achten Sie darauf, wann es Geld von Ihrer Bausparkasse gibt
Achten Sie jedoch nicht nur auf die Zinsen und Gebühren, wenn Sie einen Bausparvertrag abbliessen wollen. Bausparer, so meint Thomas Kux, Geschäftsführer der FinanzInformationsZentrum GmbH in Essen, sollten unbedingt auf die Zuteilungsqualität der Bausparkassen achten. Denn zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Guthaben und Darlehen durch die Bausparkassen ausgezahlt werden: Der Bausparer muss 3050% der Bausparsumme angespart haben und er muss eine bestimmte Bewertungszahl (eine Art Zensur für die zum Stichtag erbrachten Sparleistungen) erreichen. Die ist umso höher, je mehr der Bausparer im Verhältnis zur Bausparsumme gespart hat und je länger das Geld der Bausparkasse zur Verfügung gestanden hat. Viele Bausparkassen bieten jedoch nur vier Bewertungsstichtage. Zahlungen, die also zwischen solchen Bewertungsstichtagen geleistet werden, drohen damit bis zum Erreichen des Stichtages ohne Auswirkung auf die »Bausparnote« zu bleiben. »Schwäbisch Hall« oder die »Alte Leipziger« bieten in der Regel 12 Bewertungsstichtage. Übrigens: Die Provision eines Finanzvermittlers wird nach der Höhe der Bausparsumme bemessen. Folge: Viele Bausparverträge sind viel zu hoch. nt>
Guter Rat Machen Sie eine Gegenrechnung. Nehmen Sie den Betrag, den Sie tatsächlich monatlich sparen wollen bzw. können und dividieren Sie diesen Wert durch die Regelsparrate. Multipliziert mit 1000 erhalten Sie eine »machbare« Bausparsumme«. nt>
|
Foto: BHW
|